Was sind Quarterback Cadence und Audibles?

Blue 18 … Blue 18 … Set Hut … … Hut … Hut

… Was war das?

… Was ruft der Quarterback da auf dem Feld?

… Was redet Peyton Manning vor dem Snap?

Was ist die Quarterback Cadence?

Die Quarterback Cadence, oder auch deutsch Kadenz, ist eine definierte Abfolge von Kommandos, die der Quarterback an der Line of Scrimmage seinen Mitspielern zuruft. Die Quarterback Cadence wird oft auch als Snap Count bezeichnet, was den Begriff ein wenig deutlicher macht. Ganz allgemein kann man eine Kadenz auf „Down! – Set! – Hut!“ festlegen. Dies ist etwas dem deutschen „Auf die Plätze! – Fertig! – Los!“ vergleichbar. Aber das wäre ja viel zu einfach.

Stell dir vor, du bist ein Spieler in der Defense Line und der gegnerische Quarterback fängt an mit „Auf die Plätze!“ – alles klar, du weißt eigentlich genau, wann du los schießt und anfängst zu blocken. Deswegen bauen Quartbacks oft verschiedene Ausrufe und Kommandos in Ihre Kadenzen. Letztendlich ist die Kadenz genau das, was man bei einem Spiel hören kann, bevor der Ball bewegt wird. Dabei sieht man oft, dass die Kadenz oder der Ruf einmal auf die Rechte Seite, einmal auf die Linke Seite geht, um allen Teammitgliedern klar zu machen, was jetzt kommt.

Warum?

Eine einfache Frage mit weitreichender Antwort. Zu allererst dient die Kadenz dazu, den Offensive Kollegen zu signalisieren, wann es losgeht. Zusätzlich dient die Quarterback Cadence aber auch dazu, einen Überraschungsmoment für die Defense zu generieren.

Man kann die Abfolge rhythmisch gestalten, was jedoch auf Dauer sehr durchschaubar wird. Setzt der Quarterback aber unrhythmische Kadenzen unterschiedlicher Länge ein, ist die Defense darauf angewiesen, sich nur auf den Ball zu konzentrieren. Eine kleine Zuckung, ein zögern, eine verschobene Kadenz oder auch eine abweichende Betonung seitens des Quarterbacks können ausreichen, um die Defense in ein Offside zu ziehen. Das sind einfach verdiente 5 yards.

Audibles, Snap counts, Live colors – wie funktioniert das?

Ganz allgemein gesagt: jeder Coach hat seinen Stil und sein eigenes Playbook. Jeder definiert die Cadences für sich und sein Team, auch Quarterbacks unterscheiden sich. Spielt beispielsweise der zweite Quarterback einer Mannschaft, müssen sich die Offense Spieler stärker konzentrieren, da sie in der Regel an Betonung, Rhythmik und Art des ersten Quarterbacks gewöhnt sind.

Jetzt aber zu den Kadenzen. In der Regel setzen diese sich aus verschiedenen Anweisungen zusammen. Diese Anweisungen sagen den Offensive Spielern, wie sie sich zu verhalten haben. Im Huddle vor dem Spielzug wird das nächste Spiel angesagt. Dann werden eventuell Live colors und Snap counts festgelegt. Dies kann so aussehen:

  • Sagt der Quarterback Blue, wird über die Linke Seite gespielt, sagt der Quarterback Red, wird auf ein Passspiel gewechselt
  • Dann wird der snap count angesagt. Dieser definiert, wann der Ball gesnapt wird. „On 2“ zum Beispiel sagt, das beim zweiten „Hut“ gesnapt wird.
  • Es können auch Dummy-Werte vereinbart werden, so kann beispielsweise Brown keinerlei Bedeutung haben, dann wird verfahren, wie definiert.

Der Quarterback sagt im Huddle also welches Spiel kommt, wann gesnapt wird und signalisiert an der Line of Scrimmage anschließend durch die Cadence, ob eine Audible, also ein Wechsel des Spielzugs erfolgt, oder nicht.

Die gängigen Snapcounts sind meist „on 1…2…3…4“. Denkbar sind aber auch „on set“ oder „on second color/sound“. Dies würde dann zu einem Snap bei “set” oder dem zweiten Aufruf der Farbe folgen.

Eine weitere Möglichkeit sind „hard calls“ beim Snap count. Wird im huddle gesagt „on hard 3“, dann wird an der Line of Scrimmage das zweite Hut betont (als wäre es on 2), beim dritten aber erst gesnapt, also: Hut … HutHut

Audibles und Taktik

Wie gesagt, dient die Quarterback Cadence auch dazu, das Spiel anzupassen. Ich hatte bereits erwähnt, dass die Seite gewechselt wird, oder die Farbe ein Pass oder Laufspiel anzeigen kann. Der Quarterback kann aber auch, wenn er die Defense liest, entscheiden einen ganz anderen Spielzug als geplant zu starten. Der wird dann ebenfalls, vor dem Snap Count, den Offense Kollegen zugerufen.

Das wichtigstes in der Kadenz sind aber die Variationen. Hiermit soll die Defense dann irregeführt werden und verunsichert werden. Die Defense soll im Idealfall nicht erkennen, was jetzt kommt. Auch werden die Kadenzen von Spiel zu Spiel modifiziert, um Scouts keine Anhaltspunkte zu liefern. In der NFL, wie auch im College Football, ist es üblich, dass sich Scout die Spiele des Gegners in der nächsten Woche anzusehen. Deren Ziel ist es die Spielweise zu studieren und das eigene Team dann über die Woche vorzubereiten.

Beispiele

Die West Coast Offense von Bill Walsh beispielsweise beschreibt den Prozess wie folgt:

  1. Das Team geht an die Line of Scrimmage
    1. Offensive Line mit den Ellbogen auf den Knien
    2. Tight Ends bereits im Three Point Stance
    3. Running Backs im Three Point Stance (außer in der Gun Formation)
    4. Wide Receiver in der Two Point Stance
  2. Der Quarterback sagt “Set”
    1. Die Offensive Line geht ebenfalls in den Three Point Stance
  3. Der Quarterback pausiert. Dann kommen die Calls, eine live oder dead color wird gewählt. Der Spielzug wird dann, basierend auf der gewählten Nummer und Farbe, angepasst.
  4. Der Quarterback pausiert, dann beginnt der Count. Hut wird gewählt um den Count zu signalisieren. Die Huts sind dabei nicht rhythmisch.

Hier definiert dann der Count auch, wie gestartet wird. Bei einem „on set“ startet die Offensive Line beispielsweise direkt aus der Hocke heraus.

Und dann gibt es noch die „komischen“ Calls, wie Beispielsweise Peyton Manning’s „Omaha“ vor dem Snap.

Was hat das jetzt mit Peyton Manning zu tun?

Peyton Manning

© Mike Morbeck - Flickr.com

Peyton Manning ist meiner Meinung nach ein sehr gutes Beispiel, wie die Quarterback Cadence aussehen kann. Manning hat 13 Jahre für die Colts gespielt, in dieser Zeit gab es mindestens 4 aufeinanderfolgende Jahre, in denen die Colts keinen Huddle nutzen. Stattdessen beobachtet Manning die Defense sehr genau, sieht Lücken und analysiert die Aufstellung. Dann beginnt er seine Kadenz und nutzt die vollen 25-40 Sekunden an der Line of Scrimmage, um das Spiel anzupassen.

Die Offense der Colts mit Manning als Quarterback was so eingespielt, dass sie alle Kommandos direkt verstanden haben. Die Defense, selbst die eigene Defense der Colts, sagte immer wieder, sie hätten keine Ahnung, was Manning da überhaupt redet.

Das wird auch hier im Video deutlich, in dem Beispiele von Mannings Kadenz gezeigt werden.

Die Quarterback Cadence ist also nicht bloß ein einfaches Geschreie auf dem Feld, sondern sehr taktisch und trägt mitunter stark zum Erfolg eines Spiels und einer Mannschaft bei.

[Gesamt:2    Durchschnitt: 3/5]

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