Was sind Playcalls und wie bauen sich diese auf?

Tom Brady Wristband
Tom Brady Wristband

Die Frage, wie sich Playcalls aufbauen kann nicht einfach beantwortet werden. Dazu gibt’s es zu viele verschiedene Systeme und Logiken. Jedes Team hat seine eigene Herangehensweise, auch, damit das gegnerische Team nicht direkt weiß, was kommt. Aber was sind Playcalls generell?

Allgemein kann man sagen, dass es sich hierbei um die Ansage des nächsten Spielzugs handelt. Dieser ist entsprechend kryptisch gehalten und wird vom Quarterback meist im Huddle bekanntgegeben. Soll ein Spielzug ohne Huddle begonnen werden, so kann der Spielzug mit dem aktuellen im vorherigen Huddle angesprochen werden, also 2 Spielzüge in einem Huddle. Alternativ gibt es aber auch noch die Audioverbindung zur Sideline, die eine gewisse Zeitspanne vor dem Snap geschaltet ist.

Was ist im Playcall enthalten?

„Red Right 30 Pull Trap“ oder „FB West Right Slot 372 Y Stick“ das sind 2 Beispiele aus der recht bekannten West Coast Offense. Das erste ist ein Laufspielzug, während zweiteres ein Passspiel ist. Hier sieht man schon, dass es für den Quarterback schon eine Leistung ist, alle Spiele zu kennen, während natürlich auch jeder einzelne Spiele die Spielzüge kennen muss. Ein Spielzug gibt praktisch jedem Spieler seine eigene spezielle Aufgabe, die er zu erfüllen hat.

Nehmen wir den ersten: „Red Right 30 Pull Trap“. Aufgeschlüsselt bedeutet dass, das die Aufstellung in Pro Set Formation erfolgt. Red Right in der West Coast Offense umschreibt diese Formation. Hierbei stehen dann drei Receiver und 2 Backs auf dem Feld. Die 3 in der 30 beschreibt die Art der Übergabe des Balls, hier einen von unten abgegebenen/geworfenen Ball auf den Back. Die 0 definiert die Lücke, die der Halfback während des Laufspiels nimmt. Zur Lücke und der Nummerierung empfiehlt sich der Artikel über O-Line Blocking Schemes. Pull Trap beschreibt dann noch das Blockschema der Offensive-Line. Hierbei verlässt der Guard, der von der Spielseite entfernt ist seine Seite und „blockt“ dem Halfback den Weg frei, dringt also durch die Lücke und blockt den gegnerischen Linebacker. Ein Spielzug „Red Right 31 Pull Trap“ beispielsweise wäre dann analog, aber durch die Lücke Nummer 1.

Etwas komplexer sind die Passspielzüge, auf Grund der Vielzahl an Routen und Receivern. Das Beispiel „FB West Right Slot 372 Y Stick“ hier beginnt wieder mit der Formation. „FB West Right“ sagt dabei, dass der Fullback nicht von seinem eigentlichen Platz spielt, sondern rechts, etwas nach hinten versetzt, neben dem Tight End. Der normalerweise rechts positionierte Receiver wird auf die linke Seite zwischen Tackle und Receiver versetzt, dies wird mittels „Slot“ gekennzeichnet. Die Nummer 372 wird wieder verlegt. 3 sagt hier dem Quarterback, dass er statt der normalen 5 Schritte nur 3 zurückgeht. Die 7 steht in der West Coast Offense hier generell für ein bestimmtes Passspiel, bei dem der Halfback die schwache Seite mit blockt, hier also die Blind Side des Quarterbacks. Die 2 definiert das Blockschema, hier ein Man Blocking, bei dem eine Pocket für den Quarterback gebildet wird. Das sieht dann etwa so aus:

FB West Right Slot 372 Y Stick
FB West Right Slot 372 Y Stick

Y Stick letztendlich ist die Pass Route und der primäre Receiver. Der Y Receiver (hier der Tight End) läuft zuerst gerade nach vorne, bevor er dann nach innen, in Richtung Center einbiegt. Abhängig von der Defense entscheidet er dann, ob er weiter Richtung Sideline läuft, oder wieder Richtung Quarterback.

Der Route Tree

Der Route Tree ist eine allgemeine Darstellung aller möglichen Laufrouten der Receiver während eines Spielzugs.

Route Tree
Route Tree

Der in dieser Abbildung dargestellte Baum gibt die Standardmöglichkeiten eines Passspiels wieder. Hierbei kann jeder Receiver auf dem Feld jede dieser Routen laufen, was eine große Variation ermöglicht und mit sich bringt. Sind die Routen nummeriert, so lässt sich allgemein sagen, dass außer der 9 alle ungeraden Routen nach außen, vom Ball weg gehen während die geraden Routen nach innen zum Ball hinführen. Die 9 geht gerade nach vorne. Bei einer Hail Mary Formation beispielsweise wären alle gelaufenen Routen eine 9. Der Tight End im oberen Beispiel würde am Tree gesehen eine 6 laufen, also eine Dig Route.

Tom Brady’s Beispiel

Auf Reddit hat ein User Tom Brady Armband in der Hall of Fame der Patriots fotografiert und gepostet:

Tom Brady Wristband
Tom Brady Wristband

Das Armband zeigt hierbei recht deutlich die Komplexität solcher Systeme. Sehen wir und mal das Spiel Nummer 45 an: G BROWN RT 74 HOSS X FOLLOW

Das bedeutet erstmal eine Aufstellung in der Gun Formation, G ist hier als Abkürzung für Gun genutzt. Brown steht für 3 Receiver auf einer Seite, 2 auf der anderen und keine Backs. RT, also Right, sagt dem Tight End (der als Receiver zählt), dass er auf der rechten Seite positioniert ist. 74 bezieht sich auf das Blocking-Schema der 5 Lineman, der Tight End blockt hier in dem Fall nicht und fungiert als 5. Receiver. Wir haben bei der Aufstellung also eine 01 Personnel grouping. HOSS und X-FOLLOW definieren letztendlich die Routen der Reciever. HOSS ist die Zusammenfassung von Hitch + Seam, also eine Hook Route und eine vertikale Route. X-FOLLOW ist eine Kombination, bei der der Hauptreceiver eine „Out“-Route läuft und der äußere Receiver eine nach innen gerichtete Route. Das sieht dann etwa so aus:

G BROWN RT 74 HOSS X FOLLOW
G BROWN RT 74 HOSS X FOLLOW

Die rechen TE und WR sind hier auf der „HOSS“ Seite, die linken beiden WR auf der „X-FOLLOW“ Seite, Hot Receiver wäre der nach außen laufende linke Receiver.

Wie bereits erwähnt ist das Spielzugkonzept sehr abhängig von den Teams und die Patriots sollen ein recht komplexes System haben. Man muss nicht jeden Spielzug auf dem Feld erkennen und kennen (es sei denn, man spielt) jedoch ist es durchaus auch interessant zu erfahren, was diese kryptischen Begriffe eigentlich aussagen. In ein paar Worten ist hier praktisch jede Bewegen eines jeden der 11 Spieler auf dem Feld definiert und beschrieben.

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